Dienstag, 22.05.2012 11:51 Uhr

Willkommen in der verweigerten Realität

Verfasser: Simone Mayer Wien, 09.09.2010, 09:49 Uhr
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Wien [ENA] Es ist jetzt also zwei Jahre her, dass der Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers das tektonische Gefüge der Weltwirtschaft grundlegend verändert hat. Oder etwa nicht? Hätte ein Beobachter vor 24 Monaten die Augen geschlossen und erst heute wieder geöffnet, welche Veränderungen würden diesem Menschen auffallen? Die EU besteht, wie es bei Totgesagten üblich ist, nach wie vor.

Die USA stellen nach wie vor die weltgrößte Wirtschaftsmacht dar. Und in Österreich soll die Wirtschaft dieses Jahr um immerhin 1,8 Prozent wachsen. Also alles in Ordnung? Leider nicht. Denn unter der scheinbar heilen Oberfläche brodelt es gewaltig. Die USA kommen aufgrund eines nach wie vor darniederliegenden Arbeitsmarktes nicht in die Gänge. Damit fehlt der Antrieb der globalen Konjunkturlokomotive. China steigt bereits auf die Bremse, um eine Überhitzung zu vermeiden. Und über Europa nachzudenken, schürt allenfalls Magengeschwüre: Griechenland, Ungarn, Budgetdefizite allerorts und Wachstumsraten, die tendenziell einen Rückgang der Arbeitslosigkeit verhindern.

Vor diesem Hintergrund ist eine tiefgreifende Reform des Finanzsektors - zumindest in Europa - ausgeblieben. Basel III, das für stabilere Verhältnisse sorgen sollte, wird täglich stärker verwässert. Dazu trägt nicht zuletzt Deutschland bei. Was in Österreich anscheinend nicht ungern gesehen wird. Denn das erlaubt den heimischen börsenotierten Banken, Kernkapitalquoten auszuweisen, die - trotz staatlichen Stützkapitals - nach wie vor im einstelligen Bereich liegen. Was wiederum bedeutet, dass diese Institute einer neue Krise prinzipiell genauso gegenüberstehen, wie sie es vor Lehman sind, insbesondere, wenn dieses Kapital bald zurückgezahlt werden soll.

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