Das Kreuz mit dem Kreuz - neue Wege im Breitensport?
Deutschland [ENA] Jeder dritte Deutsche über 30 leidet an Rückenschmerzen, jeder zweite Siebzigjährige und ab 80 im Prinzip fast jeder. Statt sich nur mit Therapie- und Schmerzbehandlungen auseinanderzusetzen, müsste ein Umdenken im Breiten- und Schulsport stattfinden. Das meint jedenfalls Kunibert Back.
Und der Mann weiss, wovon er spricht. Über 8000 Personen hat er im Laufe seiner jahrzehntelangen Trainerkarriere im Gesundheits- und Selbstverteidigungssport Esdo bereits unterrichtet und immer war auch das Thema "Kreuz mit dem Kreuz" Teil seines Unterrichts. Backs These klingt einfach: "der Alltag eines Schülers oder Büroangestellten vom Aufstehen bis zum Schlafengehen beinhaltet heute kaum noch mehr als 20 Minuten Bewegung am Stück." Das heisst, die mangelnde sportliche Betätigung und falsche Haltung sind die häufigsten Ursachen für die fortschreitenden Rückenbeschwerden in unserer Gesellschaft - noch vor den genetischen Dispositionen oder Beschwerden nach Unfällen oder Krankheit. Soweit ist die Erkenntnis nicht neu.
Wenn Back an seine Schulzeit zurückdenkt und mit heute vergleicht, dann kommt er ins Grübeln. "Foltergeräte" seien das, was heute in den meisten Turnhallen herumstehe. Kaum noch zeitgemäß in Anbetracht der sportlichen Fähigkeiten unserer Kinder und Jugendlichen. "Wer kann denn heute noch einen Felgaufschwung, oder kriegt seinen Körper an einer Stange hoch?", sinniert Back und ist überzeugt, dass man hier ansetzen und mit der Zeit gehen müsse. Die Bevölkerung wird immer unbeweglicher und steifer und folglich steigen die Zahlen derer, die an Haltungsschäden und den daraus resultierenden Schmerzen leiden. Werden dann noch verletzungsanfällige Sportarten auszuüben versucht, ist das Risiko einer andauernden Schädigung absehbar.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankenkassen auf Grund steigender Gesundheitskosten immer mehr auf private Zusatzversicherung bei Breiten- oder sogenannten Risikosportarten setzen werden, ist hoch. Back geht sogar noch einen Schritt weiter und ist sich sicher: "auch wenn heute noch manch einer lachen wird, aber in 50 Jahren ist es durchaus möglich, dass Spieler verletzungs- oder verschleissanfälliger Sportarten wie z. B. Handball oder Badminton laut Reglement verpflichtet werden könnten, nach einer Halbzeit oder einem Satz die Wurf- bzw. Schlägerhand zu wechseln, um eine einseitige Überbelastung zu vermeiden." Das klingt utopisch aber nicht unmöglich.
Eines aber stehe fest: bevor man in die Verlegenheit kommt, seine Wehwehchen behandeln lassen zu müssen, sollte man Verantwortung für seinen Körper übernehmen und vorbeugen. Durch ausreichende und vor allem richtige Bewegung. Rückenübungen - insbesonders für die vielen kleinen, schräg verlaufenden Muskeln - hält Back für unumgängliche Präventivmaßnahme, bevor es zu spät ist. Hier sind die Trainer in Schulen und Vereinen gefordert - auch die Arbeitgeber, die mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement dafür sorgen können, Krankheiten der Mitarbeiter im Vorfeld zu vermeiden. Doch alle Maßnahmen können nur dann Wirkung zeigen, wenn man seine eigenen Bewegungsgewohnheiten auf den Prüfstand stellt. Fangen Sie an!




















































